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Erste Hilfe kann jeder

Warum Mut wichtiger ist als Perfektion

Werl – Ein Familienmitglied bricht auf dem Siederfest zusammen, atmet nicht mehr – und alle schauen sich hilflos an. Genau solche Situationen erleben Rettungskräfte täglich. Warum Nichtstun dann das Gefährlichste ist, aber jeder zum Ersthelfer werden kann, erklären die Experten Marcel Ackerschott, Tess Radau und Hendrik Hörster vom DRK Werl.

■ Erkennen, dass jemand Hilfe braucht

Liegt oder sitzt eine Person regungslos am Boden, sollte man nicht einfach vorbeigehen, sondern sie ansprechen. Reagiert sie nicht, nähert man sich vorsichtig und fasst sie an. Bleibt jede Reaktion aus, gilt die Person als bewusstlos – dann sofort den Notruf unter 112 wählen und weitere Menschen gezielt ansprechen. „Wenn man Personen direkt anspricht, fühlen sie sich eher verpflichtet zu helfen“, erklärt Hendrik Hörster. Ein weiterer Helfer kann etwa einen automatisierten externen Defibrillator (AED) holen.

■ Was beim Notruf wichtig ist

„Ruhe bewahren, sagen, wo man ist, wer man ist und was passiert ist“, fasst Marcel Ackerschott zusammen. Er arbeitet hauptberuflich als Rettungssanitäter in der Leitstelle des Kreises Unna. Wichtig sei außerdem, nicht aufzulegen. „Im Idealfall bleiben die Helfer am Telefon, bis der Rettungsdienst eintrifft.“ Die Leitstelle unterstützt auch bei der Ersten Hilfe – etwa durch Anleitungen zur Reanimation. Die klare, manchmal forsche Sprache diene dabei der schnellen Hilfe.

■ Prüfen, rufen, drücken

Nach dem Notruf sollte das Handy auf Lautsprecher gestellt und die Atmung geprüft werden: Hebt sich der Brustkorb? Ist Atmung hör- oder fühlbar? Atmet die Person normal, wird sie in die stabile Seitenlage gebracht. Ist keine normale Atmung vorhanden, beginnt man mit der Herz-Druck-Massage. Dafür kniet man seitlich neben der Person, befreit den Oberkörper von der Kleidung und drückt mit gestreckten Armen etwa fünf bis sechs Zentimeter tief auf dem unteren Drittel des Brustbeins – 100- bis 120-mal pro Minute und im Verhältnis 30 zu zwei, also 30-Mal drücken, zweimal beatmen. Lieder wie „Atemlos“ oder „Staying Alive“ helfen beim Rhythmus.

Wichtig bei Frauen: Keine falsche Scham. „Besonders bei Frauen ist die Hemmschwelle oft hoch, für die Reanimation den BH auszuziehen und auf die Brust zu fassen. Studien haben gezeigt, dass Frauen im öffentlichen Raum seltener und oft weniger effektiv reanimiert werden“, erklärt Marcel Ackerschott.

■ Beatmen – ja oder nein?

„Wer sich das zutraut, soll beatmen“, sagt Ackerschott. Wer Hemmungen hat, kann auch ausschließlich drücken. „Wichtig ist, dass überhaupt etwas passiert.“ Die Reanimation wird fortgesetzt, bis der Rettungsdienst übernimmt oder der Defibrillator einsatzbereit ist.

■ Defibrillator: Keine Angst vor Technik

In Werl gibt es zahlreiche frei zugängliche AEDs in Außenkästen. Hinweise liefern Apps und die Website der Stadt Werl (siehe Infokasten). In Werl hängen Geräte von unterschiedlichen Herstellern in Schwarz und Grün, die Funktionsweise ist aber identisch. Öffnet man den Kasten des Defis durch Ziehen oder Drehen, ertönt ein Alarm – der dient nur dem Diebstahlschutz. Der Defibrillator selbst gibt nach dem Einschalten klare Sprachanweisungen und zeigt mit Bildern, was zu tun ist. Das Gerät entscheidet selbst, ob ein Stromstoß nötig ist, und gibt sogar Feedback zur Drucktiefe.

■ Fazit

„Das Schlimmste ist, nichts zu tun“, betonen die DRK-Vertreter. Wer weiß, wo Defibrillatoren hängen, aufmerksam bleibt und im Ernstfall handelt, kann Leben retten. „Und ein Erste-Hilfe-Kurs lohnt sich immer – Routine gibt Sicherheit“, sagt Tess Radau. (Soester Anzeiger - MICHAELA DZIWISCH) v. 20.05.2026)

Defi-Standorte in Werl

Auf der Website der Stadt findet sich unter dem Stichwort Defibrillatoren der Link: definetz.online/defikataster-hp. Hier sind unter Werl viele der öffentlich zugänglichen AEDs verzeichnet. Unterschiedliche kostenlose Apps für Apple- und Android-Geräte zeigen ebenfalls die zugänglichen Defis. In der Werler Innenstadt finden sich unter anderem hier AEDs: an der Stadtbücherei vor dem Eingang, bei der Volksbank am EC-Terminal, am Personaleingang von Danielsmeier (Richtung Kurpark), an der Stadtinformation links am Eingangsbereich (an der Info melden) sowie am Rathaus am Eingang zum Sitzungssaal. Weitere Informationen gibt‘s auch beim Deutschen Rat für Wiederbelebung unter www.grc-org.de.

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